© 2002/17 Ja-DV

“Frieden beginnt bei jedem Einzelnen”
Jahrtag der KSK mit Gedenkgottesdienst und Ansprache am Kriegerdenkmal

Am Pfingstmontag hatten die Krieger- und Soldatenkameradschaft ihren Kriegerjahrtag. Gemeinsam marschierte man zur Frauenkirche, wo Pfarrer Josef Dotzler einen festlichen Gedenkgottesdienst feierte. In die Gebete schloss man besonders die gefallenen, vermissten und gestorbenen Kameraden ein und bat um den weiteren Erhalt des Friedens.

Jahrtag 06-klNach dem Gedenkgottesdienst zog man zum Kriegerdenkmal. Neben einer stattlichen Abordnung von Kameraden beteiligten sich auch Bürgermeister Josef Sehofer, dritter Bürgermeister Willi Gürtner sowie mehrere Gemeinderäte und viele Bürger am Gedenken. Die Blaskapelle der Deutschen aus Rumänien hatte die musikalische Gestaltung der Gedenkfeier übernommen.

Franz Kairiz, KSK-Vorsitzender und zweiter Bürgermeister, begann seine Ausführung mit den Worten: "Wo der Egoismus wächst, kann Frieden. nicht gedeihen. Nur wenn jeder Einzelne in sich selbst nach Frieden sucht, wird ihn die Menschheit als ganzes finden", zitierte der Redner den schwarzen amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King. Aber gilt diese Aussage nach mehr als 40 Jahren auch heute noch, fragte Kainz. Gilt sie nur für Amerika oder. gilt sie auch für Europa, für Deutschland, ja für alle? Bei objektiver Beurteilung komme man recht schnell zu der Erkenntnis, dass diese Aussagen heute mehr denn je gelten. In dem zunehmend globalisierten Weltgefüge scheine nur noch das Gewinnstreben zur obersten Maxime geworden zu sein. Die Menschlichkeit und die soziale Verantwortung würden zunehmend aus dem Gedankengut der heutigen Wirtschaftsführer verschwinden, aber auch aus dem Blickfeld vieler verantwortlicher Politiker.

Verfolge man die diesbezüglichen Medienberichte mit entsprechender Aufmerksamkeit, so falle auf, dass sich Konzernführungen und Aufsichtsgremien gegenseitig grosszügige Gehaltserhöhungen genehmigen, dann zur Beruhigung der Aktionäre deren Dividenden erhöhen und, um diese Grosszügigkeit finanziell auszugleichen, dann eine Reihe von Arbeitsplätzen eingespart werden, ohne an die Betroffenen oder deren Familien auch nur einen einzigen Gedanken zu verschwenden.

Je weniger jeder Einzelne an Menschlichkeit, sozialer Eingebundenheit und Zufriedenheit habe wahrnehmen können, um so grösser sei die Bereitschaft gewesen, denjenigen Glauben zu schenken, die für Aggression und Intoleranz Stimmung machten, meinte Franz Kainz. Um von der Unzufriedenheit im eigenen Land abzulenken, sei von den Herrschenden, propagandistisch ausgeschmückt, 'vielfach ein anderes Volk für diesen Umstand verantwortlich gemacht und damit dem eigenen Volk der Grund für eine gerechtfertigte Bestrafung suggeriert worden. Der Krieg als Mittel dieser Bestrafung sollte damit seine Legitimation erhalten. Den Preis dafür aber hatten und haben Tausende und Millionen von Toten zu bezahlen, die lediglich als Mittel zum Zweck benutzt wurden.

 

All diese Toten sind es, die zur Mahnung werden müssen, dass sich solch Grausames nicht mehr wiederholen darf - die sagen, dass Krieg die schrecklichste Form der menschlichen Auseinandersetzung sei. Die aber auch sagen, welch kostbares Gut der Frieden ist und dass es gelte, alles zu tun, um ihn auch langfristig zu erhalten. Der Erhalt und die Sicherung des Friedens vollziehe sich nicht von selbst, sondern müsse. von allen gewollt sein und getragen werden. Dabei gelte es, dem Hass und der Zwietracht entgegenzutreten und Toleranz zu üben gegenüber Andersdenkenden, gegenüber anderen Rassen, Gruppen und Volksstämmen.

Frieden beginnt bei jedem Einzelnen, betonte Franz Kainz. Friedliches Zusammenleben könne auf Dauer nur gelingen, wenn die Menschen sich innerlich verbinden und Menschlichkeit sowie gegenseitig soziale Verantwortung wieder einen hohen Stellenwert einnehmen. Der Frieden des Menschen mit sich und der Friede der Menschen untereinander gehörten untrennbar zusammen. Auch das sei das Vermächtnis der unzähligen Kriegstoten. Indem man das Vermächtnis der Toten im Handeln beherzige, gebe man ihrem Leiden und Sterben einen Sinn. Und in diesem Sinne wollte man an all diejenigen Gefallenen und Vermissten denken, deren Namen dieses Mahnmal trägt, aber ebenso an alle Kriegsopfer, die irgendwo in dieser Welt ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

In Ehrfurcht vor den Toten und als Äusseres Zeichen des Gedenkens legte Franz Kainz im Namen der KSK einen Kranz am Ehrenmal nieder. Mit dem Lied vom "Guten Kameraden" und einem Ehrensalut ging die Gedenkfeier zu Ende. Beim anschliessenden Frühschoppen spielte die Blaskapelle der Deutschen aus Rumänien noch schwungvoll auf.
LZ. voom 09.06.2006