© 2002/17 Ja-DV

Kriegerjahrtag 2003

Ihren traditionellen Kriegerjahrtag beging am Pfingstmontag die Krieger- und Soldatenkameradschaft. Gemeinsam zog die stattliche Gruppe zur Frauenkirche, wo zunächst Pfarrer Josef Dotzler einen festlichen Gedenkgottesdienst feierte. In die Gebete schloss man besonders die gefallenen, vermissten und verstorbenen Kameraden ein und bat um den Erhalt des Friedens. Der Geistliche mahnte, dass die Erinnerung an die Vergangenheit sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft von großer Bedeutung sei, da dies schon den Erhalt des Friedens stütze, ein Gedenktag dürfe nicht zu einem bloßen Ritual verkommen.

Auch die Kriegerkameradschaft verstehe dieses Gedenken nicht als eine gedankenlos ausgeführte Geste oder als ein sinnentleertes Ritual und schon gar nicht als "Heldengedenktag", so betonte der KSK-Vorsitzende Franz Kainz in seiner Ansprache. Nicht Kriegshelden seien an diesem Tag in den Mittelpunkt gerückt, sondern die Kriegsopfer. Alle wären sich darin einig, dass der Gedenktag nicht der Verherrlichung des Krieges oder der Heroisierung deutscher Soldaten und ihres Schicksals diene. Vielmehr sei jedes Gedenken an die Opfer ein eindringlicher Friedensappell. Der Redner weiter: „Die Erinnerung an die Kriege der jüngsten Vergangenheit ge­schieht im Blick auf die Zukunft. Dieser Tag ist weder politisch noch konfessionell gebunden. Seine tiefere Sinngebung liegt darin, über alle politischen und Glaubensgrenzen hinweg in der gemeinsamen Trauer Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen und damit einen Beitrag zur Friedenssicherung zu leisten.“ Dabei werde es aber, so führt Kainz weiter aus, in der heutigen Zeit zunehmend schwerer, das Wort Frieden noch hören zu können. Gerade in jüngster Vergangenheit dürfte dieses Wort in den Medien, aber auch in der Politik das am meisten gebrauchte, oder besser gesagt missbrauchte gewesen sein. Wenn man Krieg oder Kampfeinsätze meine, so spreche man von friedenserhaltenden, friedenssichernden und friedensbringenden Maßnahmen, von Friedenseinsätzen und Friedensmissionen. Dadurch versuche man die Grausamkeiten eines Krieges, einer gewaltbereiten Auseinandersetzung oder allgemein das Töten von Menschen zumindest in der Berichterstattung, aber auch in der politischen Verantwortung zu schönen.

Kainz ging auch noch auf Äußerungen führender tschechischer Politiker in jüngster Zeit ein, die zu erheblichen Irritationen nicht nur bei Vertriebenen geführt hätten. Derartige Aussagen seien offensichtlich auch geeignet, innerhalb der tschechischen Bevölkerung Ressentiments gegen alles Deutsche allgemein und gegen Sudetendeutsche im besonderen wieder aufzubauen, folgerte der Redner. Die Zerstörung und Verwüstung einer sudetendeutschen Gedenkstätte erst kürzlich in Tschechien sei ein nachdenkliches Beispiel dafür. Wenn man so nachhaltig darauf dränge wie Tschechien, in die europäische Völkergemeinschaft aufgenommen zu werden, dürfe man sich nicht verweigern, Unrecht und Unrechtsdekrete der Vergangenheit einer vorurteilsfreien Betrachtung zu unterziehen und dem demokratischen Gedankengut unterzuordnen. Auch sollte man sich nicht verweigern, die Vertreibungen als das anzusehen, was sie nach Ansicht bekannter Völkerrechtler wären und die unisono sagen: „Vertreibungen erfüllen immer den Tatbestand des Völkermordes.“ Nach Kainz ist es nicht angebracht, Unrecht gegen Unrecht aus- und gegen zurechnen, vielmehr stelle eine emotionsfreie Rückbesinnung auf alle Grausamkeiten dieser Zeit das Fundament für gegenseitiges Vertrauens zur Friedenssicherung und Friedenserhaltung dar. Deshalb müsse man alle diese furchtbaren Erlebnisse heraustreten lassen aus der Anonymität der verschiedenen Betrachtungsebenen, so appellierte der Vorsitzende. Wenn man den Frieden sichern wolle, dürfe man die Vergangenheit in seiner Gesamtheit nicht verdrängen. „Nur wenn wir der Intoleranz wehren, wenn wir dazu beitragen, Aggressionen abzubauen, wenn wir im anderen den Menschen sehen, wird es möglich werden, Frieden zu bereiten. Erschweren wir daher denen das Handwerk, die mit Emotionen und Feindschaft Stimmung machen wollen.“

In Ehrfurcht vor den Toten und als äußeres Zeichen der Verbundenheit legte Franz Kainz im Namen der Krieger- und Soldatenkameradschaft einen Kranz am Ehrenmal nieder. Mit dem Lied vom "Guten Kameraden" und einem Ehrensalut ging die Gedenkfeier zu Ende. Beim anschließenden Frühschoppen spielte die Blaskapelle der Deutschen aus Rumänien noch schwungvoll auf.