© 2002/17 Ja-DV

Ihren Kriegerjahrtag beging am Pfingstmontag die Krieger- und Soldatenkameradschaft. Gemeinsam zog die stattliche Gruppe zur Frauenkirche, wo zunächst Pfarrer Josef Dotzler einen festlichen Gedenkgottesdienst feierte. In die Gebete schloss man besonders die gefallenen, vermissten und verstorbenen Kameraden ein und bat um Frieden in der Welt und um den Erhalt des Friedens in Europa. Der Geistliche stellte in seiner Predigt die christliche Friedensbotschaft in den Vordergrund. Würden die Menschen nach dem Gebot Christ leben, gäbe es keine Kriege auf Erden und die Völker würden in Frieden miteinander leben.
Am Kriegerdenkmal legte man in Ehrfurcht vor den Toten und als äußeres Zeichen der Verbundenheit einen Kranz unter den Klängen vom "Guten Kameraden" und einem Ehrensalut nieder. Wie aus der Vereinschronik zu entnehmen sei, sei bereits 1925 festgelegt worden, den Kriegerjahrtag alljährlich am Pfingstmontag abzuhalten, so der Vorsitzende Franz Kainz zu Beginn seiner Ansprache. Bereits damals hätten sich die ehemaligen Soldaten des Ersten Weltkrieges als Mahner für den Frieden verstanden, die ihre grausamen Erfahrungen weitergeben wollten, damit sich derartiges nicht wiederholen dürfe. Aber gerade nur etwas über zwei Jahrzehnte sollte die Mahnung dauern, um dann in einen noch viel schrecklicheren Zweiten Weltkrieg einzumünden. Zwischenzeitlich scheine man begriffen zu haben, so der Redner weiter, dass fast zehn Millionen Gefallene des Ersten Weltkrieges und 27 Millionen gefallene Soldaten des Zweiten Weltkrieges sowie 25 Millionen Tote aus der Zivilbevölkerung davon zeugen, dass es in einem Krieg keine Sieger oder Besiegte gebe, sondern ausschließlich Verlierer.

Kainz bedauerte, dass es in der heutigen Zeit zunehmend schwerer wird, mit dem Wort Frieden noch das zu verknüpfen, was es aussagen sollte. In den Medien und auch in der Politik würde dieses Wort zwar oft gebraucht, aber auch sehr oft missbraucht. So spreche man bei Krieg und bei Kampfeinsätzen beispielsweise von friedenserhaltenden, friedenssichernden oder friedensbringenden Maßnahmen. „Dadurch versucht man die Grausamkeiten eines Krieges, einer gewaltbereiten Auseinandersetzung, allgemein das Töten von Menschen in der politischen Verantwortung schön zu reden,“ so Kainz.

Das Vorgehen einer Weltmacht, die mit fragwürdigen Argumenten ein Land von seinem Diktator befreien und gleichzeitig diesem Land die Demokratie bringen wollte, prangerte der Redner an. Es sei kaum vorstellbar, dass ein Volk Vertrauen zu dieser Regierungsform finden könne, wenn die selbsternannten Befreier wiederum die gleichen Folterungen und Grausamkeiten wie der entmachtete Despot selbst anwenden würden. Der Redner ist der Ansicht, dass diese Vorgehensweise einer hochentwickelten Zivilisation, und einer Demokratie sowieso, in hohem Grade unwürdig sei. Nicht weniger nachdenklich erscheine für Kainz die Situation im Nahen Osten. Dabei sei es sicherlich das gute Recht Israels, sich gegen Terroristen und fanatische Selbstmordattentäter zu schützen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. „Aber ist es noch angebracht, dass ein ebenfalls demokratischer Staat dabei ganze Ortschaften dem Erdboden gleich macht, alten Menschen und vor allem Kindern das Haus oder die Wohnung zerstört,“ hinterfragte Kainz.

Im weiteren ging der Redner noch auf die Vertreibung ein. Nach Aussagen von Völkerrechtlern würden diese immer den Tatbestand des Völkermordes erfüllen. Um so überraschter müsse man sein, wenn man erfahre, dass gerade derjenige tschechische Politiker, der diese Vertreibungen zu verantworten gehabt hätte, und dessen Namen diese Dekrete tragen würden, in der heutigen Zeit noch eine besondere Ehrung erfahre. „Eduard Benes hat sich um den tschechischen Staat verdient gemacht“, so zitierte Kainz die durch das demokratisch gewählte Parlament der Tschechischen Republik vergebene Ehrung. „Auch hier hat man den mit den Vertreibungen verbundenen Völkermord als friedenssichernde Maßnahme für die Zukunft schön geredet und das Wort Frieden wie so vielfach für politische Zwecke missbraucht.“

Schließlich appellierte der Redner noch an die zahlreichen Zuhörer, sich der Intoleranz zu wehren und dazu beizutragen, Aggressionen abzubauen. „Lernen wir aus der Vergangenheit, auf dass unsere Zukunft keine neuen Schrecken bringt. Dies sind wir den über 60 Millionen Toten der beiden Weltkriege und der Vertreibungen schuldig – ihr Tod soll uns Verpflichtung zum Frieden sein.“

Der Vorsitzende wies noch auf das 50jährige Wiedergründungsfest hin, das man am 19. Juni auf dem Ziegeleigelände zusammen mit den Ortsvereine und der Bevölkerung feiern wolle. Die Vorbereitungen hierzu sind nahezu abgeschlossen.